Unsere Bierhauptstadt

Nee, Berlin ist es nicht. Leider leider… 🙁

Stattdessen fragt man sich bei der ZEIT, ob denn nun München oder Dortmund die Stadt ist, in der am meisten gebraut wird. Und siehe da, ein kluger Kopf hat mal eine Deutschlandkarte zur Hand genommen und alle Brauereien eingezeichnet.
Herausgekommen ist dabei erstens die Deutschlandkarte der Brauereien und zweitens, dass man eigentlich ganz Franken zur Bierhauptstadt ernennen müsste. Die Erklärung folgt auch sogleich, nämlich in Form einer kleinen Geschichtsstunde.

In Franken gab es im Mittelalter besonders viele Klöster und eben dort wurde das Bier gebraut. Das erste Kloster, welches eine eigene Brauerei hatte, war das Benediktinerkloster in St. Gallen/ Schweiz im Jahr 820. Frei nach dem Motto „Wer hat’s erfunden?“ 😉

Klosterbrauereien waren im Grunde die ersten großen Unternehmen und viele davon existieren auf die eine oder andere Weise sogar heute noch, wie z.B. Weihenstephan. Starkbier wurde für die Fastenzeit gebraut, denn es galt „liquida non frangung ieunum“ – „was flüssig ist, bricht kein Fasten“. Leichteres Bier galt als Grundnahrungsmittel und wurde an die umliegenden Ortschaften verkauft.

Da die Klöster nicht nur Zentren des Bierbrauens, sondern auch der Heilkünste und Medizin waren, versuchte man unermüdlich, beides zu kombinieren. Hildegard von Bingen empfahl kräftig gewürztes Bier als Heilmittel, besonders für die Schwermütigen, um „ihren Mut zu heben und den Leib zu kräftigen“. Paracelsus, ein besonders kluger Kopf, wenn ihr mich fragt, wusste: „Bier ist eine göttliche Medizin gegen die Krankheit“, und empfahl es gleich gegen alles mögliche, von Herzbeschwerden über Ohrenschmerzen bis hin zur Schwindsucht. Und auch Martin Luther erkannte ganz weise: „Wer kein Bier hat, hat auch nichts zu saufen!“

Die Klöster wandelten und verbesserten die bis dato überlieferten Rezepturen. Hopfen wurde hinzugefügt, gab dem Bier den leichten bitteren Geschmack und verlängerte die Haltbarkeit. Altertümliche und oft Übelkeit hervorrufende Gewürze wie Rosmarin, Efeu und Eicheln wurden hingegen aus den Rezepten gestrichen. Bis 1516 waren die Rezepturen soweit perfektioniert, dass das Reinheitsgebot erlassen wurde.

Also, alles ganz logisch: wo viele Klöster, da viel Bier. Im Mittelalter und auch heute noch. 🙂 Und ich weiss jetzt, wo ich meinen nächsten Urlaub verbringen werde. Prost!