Bierflaschen: Millionen für den individuellen Look

Das Bild der Deutschen als Weltmeister im Biertrinken gerät ins Wanken: Der Konsum des Gerstensaftes ist seit Jahren rückläufig. Besonders hart trifft das natürlich die Brauereien, die nichts unversucht lassen, um die Gunst der Kunden auf dem schrumpfenden Markt zu gewinnen. Gerade große Brauereien setzen in letzter Zeit verstärkt auf individuelle Flaschendesigns, die sie sich mehrere Millionen Euro kosten lassen, sehr zum Leidwesen der mittelständischen Brauereien.

Das Auge trinkt mit

Vor einigen Jahren war die Bierwelt noch in Ordnung. Fast alle Brauereien nutzten Einheitsflaschen, die nur mit dem jeweiligen Etikett versehen wurden. Mittlerweile arbeiten die großen Brauereien jedoch daran, ihre Marke mit einem individuellen Flaschendesign zu stärken. Reliefschriftzüge auf Bierdeckeln und Flaschenhälsen gehören dabei ebenso zum Programm wie neue Farben und Flaschenformen. Die Brauereien hoffen so darauf, dass die eigene Marke dem Kunden im Bierregal besser ins Auge springt. Für das Design werden teilweise international bekannte Werbe- und Produktdesigner engagiert. Einige Beispiele für Designidee finden sich unter http://www.justblue.de/work-de/getraenke/. Ein Spaß, den sich selbstverständlich nicht alle Brauereien leisten können. Und so fürchten gerade die mittelständischen Betriebe, durch den anhaltenden Trend zum individuellen Design ins Hintertreffen zu geraten.

Probleme für kleine Brauereien

Die kleinen Brauereien befürchten nicht nur einen Wettbewerbsnachteil, der ihnen dadurch entsteht, dass sie mit den modernen Designs der großen Konkurrenten nicht mithalten können und deshalb weniger auffallen. Auch die Kosten bei der Leergutsortierung steigen für sie erheblich. Bisher bekamen Brauereien in der Regel Kästen zurück, die mit den Flaschen verschiedener Hersteller gefüllt waren. Die meisten dieser Flaschen konnten gespült, neu etikettiert und wieder in Umlauf gebracht werden, was eine enorme Kostenersparnis bedeutete. Mit den neuen Flaschendesigns steigt jedoch auch der Aufwand für kleinere Brauereien, die unbrauchbaren Flaschen der Konkurrenz aussortieren zu müssen.

Am Ende zählt doch der Inhalt

Angesichts dieser Entwicklung scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die großen Brauereien ihre kleinen Konkurrenten vom Markt verdrängt haben. Dass eine erfolgreiche Biermarke auch ohne ausgefallenes Design überleben kann, zeigt jedoch das Beispiel von Rothaus, das seit Jahrzehnten auf Standardflaschen setzt und dennoch zu einer der Erfolgsgeschichten in der Bierindustrie gehört.

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