» Reinheitsgebot

Autor: Thomas

Bier als Kultur- und Qualitätsgetränk hat ja eine gewisse, werbegewichtige Zugkraft. Im Zweifelsfalle ist das Gesöff also nicht „Zuckerwasser mit verkümmerten Bieranteilen und irgendwelchen Aromastoffen und Chemiegepansche“ sondern ein Biermixgetränk!
Ich bin aber auch Purist. Also ignoriert mich.

Desperados, BiermixgetränkDavon hatten wir in letzter Zeit ja genug. Ans Paderborner Pink erinnern sich die meisten von euch sicher noch mit Grauen. Extrem herbes Ex-Bier ersäuft in Aromastoffen, Süßstoff und sonstiger Chemie mit einer Wirkung auf die Geschmacksknospen wie ein Dampfhammer mit Zitrus-Duftbäumchen. Wem’s schmeckt.

Ein weiterer Favorit in der Richtung ist Desperados. Homepage, Flasche, alles wie aus Mexiko. Toll! Produziert und vertrieben aus und in … Frankreich. Und sieht aus wie Apfelsaft. Wenn’s beim Geschmack mal genauso ist …    [...mehr]


Autor: Thomas

Der Bayerische Herzog Wilhelm der IV. war es, der im Jahre des Herrn 1516 dem deutschen Biere seine Klasse gab. Legendär ist es, das Reinheitsgebot. Wasser, Gerste, Hopfen, Malz und Hefe. Sonst ist nichts im Bier zu finden. Eine Aussage, die von den Brauereien des Landes nur zu gern auf jede Flagge geschrieben wird. Das Deutsche Bier, meine Damen und Herren!

Kein Wunder, natürlich. Fand man im Mittelalter doch so ziemlich alles in dem Gebräu, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Blut, Gift, Kot, Baumrinde, Drogen – ganz egal. Bis der Bayernherzog auf den Tisch haute. Ab da war dann Ruhe im Karton.

Lebenswichtige Vitamine sind drin, ja, ja, Stoffe die gegen bestimmte Krebsarten helfen, hemmend wirken, Osteoporose hat’s dann schwieriger, und das Haar wird voller und für die Potenz ist’s auch gut und außerdem hilft’s Dir auf dem Feld beim umgraben.
Ein wahrer Zaubersaft also, das reine Bier Deutschlands.

… widmen wir uns nun der Realität.    [...mehr]


Autor: Ariane

Traditionell steht am 23. April wieder alles im Zeichen des Biers, denn dann wird der Tag des Deutschen Bieres begangen.

Am 23. April 1516 wurde das deutsche Reinheitsgebot proklamiert, und seitdem gilt per Gesetz: Ins deutsche Bier gehört nur Wasser, Hopfen und Gerste (naja, fast jedenfalls ;) ). Später kam noch die Hefe dazu (als man in der Lage war, Hefe herzustellen).

Natürlich nicht nur deswegen, denn schaut man sich mal den deutschen Pro-Kopf-Verbrauch an, ist eine eindeutige Tendenz ersichtlich.

Die Statistik zeigts ganz klar: Der Bierkonsum in deutschen Landen schrumpft seit Jahren. © Quellen: Statistisches Bundesamt und Deutscher Brauer-Bund, Berlin; Stand: 14.06.2007

Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt also seit längerem und Bier ist nicht länger des Deutschen liebstes Getränk. Da kommt ein Tag ganz im Zeichen des Biers den Brauern natürlich wie gerufen, haben sie doch so die Chance, sich dem (potentiellen) Kunden einmal in ihrer ganzen Bandbreite präsentieren zu können.

Das Rheinheitsgebot gilt als ältestes Lebensmittelgesetz der Welt und daher wird dieser Tag von den Mitgliedern des Deutschen Brauer-Bundes in ganz Deutschland mit zahlreichen Festen und Veranstaltungen begangen.
So gibt es beispielsweise jedes Jahr Brauereiführungen, Biermeilen, Frühschoppen mit frisch gezapftem Bier, Biergartenpartys, Sonderverkaufs-Aktionen und vieles mehr.
Über das Programm für 2008 kann man sich ab März auf der Homepage des Brauer-Bundes erkundigen.

Am 23. April werden dann auch erneut die “Botschafter des Bieres” ernannt. Mit diesem Titel ehren die deutschen Brauer Menschen, die sich durch ein außergewöhnliches Engagement rund um das Thema Bier und Lebensmittel ausgezeichnet haben. Im vergangenen Jahr war beispielsweise Horst Seehofer der Botschafter des Bieres.

Nun sind es ja noch gute zwei Monate bis zum Tag des Deutschen Biers, aber keine Angst: Ich werde euch natürlich noch mal rechtzeitig daran erinnern. Wäre ja tragisch, wenn euch womöglich das eine oder andere Gratis-Bierchen durch die Lappen gehen würde ;)

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Autor: Steffen

Man stelle sich vor …

Ein Staat, in dem Bier das Grundnahrungsmittel Aller ist; wo Arbeiter, Beamte und Soldaten mit Bier entlohnt werden; wo man den Kindern Bier zu trinken gibt, den Toten legt man es in den Sarg, damit es sie auch in der Nachwelt nicht dürstet … Das Brauen unterliegt staatlichem Monopol, damit das Bier günstig bleibt; Wirte, die gepanschtes Bier ausschenken, werden streng bestraft …

Wunschdenken? Stammtischphantasien?

Mitnichten: So lebte man im Ägypten des 17. Jahrhunderts vor Christus.

Natürlich habe ich, um der Rhetorik willen, die Daten ein wenig angepasst – so darf man das Wort „Arbeiter“ durch „Sklaven“ ersetzen, und „streng bestraft“ meint den Tod in verschiedenen Varianten der Grausamkeit. Gut davongekommen war ein Wirt, den man in seinem eigenen Gepanschten ersäufte.

Es war ein langer Weg …

Biergeschichte

Erfunden worden ist das Bier aber noch viel früher. Im mesopotamischen Raum scheint es schon im 35. Jahrhundert vor unserer Zeit beliebt gewesen zu sein; man hat Abbildungen bierseliger Sumerer aus dem 30. Jahrhundert gefunden, und im berüchtigten Babylon waren immerhin 20 Sorten im Umlauf.

Von den Germanen ist der Biergenuss im 16. Jahrhundert vor Christus bekannt. Nun hatten die Germanen aber wenig Kontakt mit dem vorrömischen Babylonien – man geht daher davon aus, dass das Bier in der Geschichte der Menschheit gleich mehrfach erfunden worden ist. Die Gärungsprozesse in feuchtem Brot mögen den Anstoß gegeben haben.

Der römische Historiker Tacitus räumt in seiner Germania ein, die rauen Nordmänner hielten zwar Hunger und Kälte aus, nicht aber Durst. Im römischen Imperium dagegen wurde, obwohl das Bier zu Hochzeiten durchaus populär war, lieber Wein getrunken.

Im Mittelalter war Bier wiederum Grundnahrungsmittel, auch für Kinder, da der Alkoholgehalt geringer war als heute. Dennoch lebten die Menschen, bei einem täglichen Konsum von ein bis drei Litern, wohl jahrhundertelang in einem konstanten Rausch. Einen „Rausch der Nüchternheit“ bejubelte Voltaire erst im 18. Jahrhundert, als der Kaffee eingeführt wurde. Bemerkenswerterweise wurde erst jetzt die Mathematik so richtig kompliziert.

Die Neuzeit hat den Biergenuss in einem gewissen Rahmen kultiviert. So erließ Wilhelm IV. 1516 das berühmte Reinheitsgebot, an das sich heute freilich kaum jemand hält, und im 19. Jahrhundert erfand Josef Groll das bekömmliche Pils.

Mit Vergnügen trinke ich Bier. (Friedrich Schiller)

Vom Bürgerkrieg

Seit dem frühen Mittelalter lässt sich beobachten, dass steigende Bierpreise zu Unruhen in der Bevölkerung führen können. Die sogenannte „Salvatorschlacht“ von 1888 soll beispielsweise aus Empörung über die Wucherpreise der Schankwirte ausgebrochen sein.

Nun haben die Bierbrauer am 8. November 2007 verkündet, dass der Bierpreis in Deutschland nicht haltbar sei; vielmehr innerhalb der nächsten fünf Jahre um bis zu 40% steigen werde…

Ob es zum Bürgerkrieg kommt, zu Palisadenkämpfen und Standrecht, weiß ich nicht; fest steht, dass eines der Lieblingsgetränke der Deutschen gerade harten Zeiten entgegensieht …    [...mehr]


Autor: Steffen

Das durch 1516 in Bayern landesweit eingeführte Reinheitsgebot regelte damals, dass nur Hopfen, Malz und Wasser in unser liebes Bier kommt. Bis heute ist es für Bier, gebraut “nach deutschem Reinheitsgebot”, verbindlich, auch innerhalb der EU ist es als “traditionelles Lebensmittel” geschützt. Dass bedeutet ob Ale, Altbier, Berliner Weiße, Kölsch, Steinbier, Weizenbier, Bock, Dunkles, Helles, Lager, Pils, Zwickelbier…. Was ist drin? Wenn es nach dem Reinheitsgebot gebraut ist , Hopfen + Malz + Wasser = Bierbauch.
Oder doch nicht richtig?

Also zum Ergebnis Bierbauch…. Nein nicht korrekt! Dieser Entsteht nicht, wie oft angenommen, vom Bier, sondern mehr vom immer größer werdenden Hunger, der uns dann dazu treibt nach einigen Bieren eine schön fettige Mahlzeit zu mampfen. Mehr dazu aber an anderer Stelle.

Und zurück zum Reinheitsgebot: Hopfen, Malz und Wasser, ist das denn wenigstens richtig?

Nein! Denn wenn man beispielsweise die bayrischen Weißbierbrauereien nimmt, die mit dem Spruch „streng getreu dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516“ (übrigens rechtlich legitim) werben… kann man eindeutig sagen…. Nee, in dem Bier muss mehr drin sein als nur Hopfen Malz und Wasser. Denn kein Bier kommt ohne die Zugabe von Hefekulturen aus, kein Weizenbier kommt ohne mindestens 50 Prozent Weizenmalz aus!

Was steckt denn nun eigentlich hinter dem deutschen Reinheitsgebot?
Dazu sollte man sich das Biersteuergesetz von 1952 BGBl. I, Nr. 12 S. 149-152 ansehen.
Dann wird man vielleicht schlauer, ich aber in diesem Falle nicht.
Was ich definitiv weiß ist, dass das Bundesverwaltungsgericht am 24.02.2005 mit einem Urteil festgestellt hat, dass „Bier“ als solches vertrieben werden darf, auch wenn es mehr als 4 Zusatzstoffe und somit eine Abweichung vom Reinheitsgebot von 1516 aufweist. Und damit hat es an sich nur festgestellt, was schon bisher üblich war.
Somit Prost auf das „deutsche Reinheitsgebot“ und wech mit dem Scheiß!



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