» Pilsener

Autor: Steffen

Man stelle sich vor …

Ein Staat, in dem Bier das Grundnahrungsmittel Aller ist; wo Arbeiter, Beamte und Soldaten mit Bier entlohnt werden; wo man den Kindern Bier zu trinken gibt, den Toten legt man es in den Sarg, damit es sie auch in der Nachwelt nicht dürstet … Das Brauen unterliegt staatlichem Monopol, damit das Bier günstig bleibt; Wirte, die gepanschtes Bier ausschenken, werden streng bestraft …

Wunschdenken? Stammtischphantasien?

Mitnichten: So lebte man im Ägypten des 17. Jahrhunderts vor Christus.

Natürlich habe ich, um der Rhetorik willen, die Daten ein wenig angepasst – so darf man das Wort „Arbeiter“ durch „Sklaven“ ersetzen, und „streng bestraft“ meint den Tod in verschiedenen Varianten der Grausamkeit. Gut davongekommen war ein Wirt, den man in seinem eigenen Gepanschten ersäufte.

Es war ein langer Weg …

Biergeschichte

Erfunden worden ist das Bier aber noch viel früher. Im mesopotamischen Raum scheint es schon im 35. Jahrhundert vor unserer Zeit beliebt gewesen zu sein; man hat Abbildungen bierseliger Sumerer aus dem 30. Jahrhundert gefunden, und im berüchtigten Babylon waren immerhin 20 Sorten im Umlauf.

Von den Germanen ist der Biergenuss im 16. Jahrhundert vor Christus bekannt. Nun hatten die Germanen aber wenig Kontakt mit dem vorrömischen Babylonien – man geht daher davon aus, dass das Bier in der Geschichte der Menschheit gleich mehrfach erfunden worden ist. Die Gärungsprozesse in feuchtem Brot mögen den Anstoß gegeben haben.

Der römische Historiker Tacitus räumt in seiner Germania ein, die rauen Nordmänner hielten zwar Hunger und Kälte aus, nicht aber Durst. Im römischen Imperium dagegen wurde, obwohl das Bier zu Hochzeiten durchaus populär war, lieber Wein getrunken.

Im Mittelalter war Bier wiederum Grundnahrungsmittel, auch für Kinder, da der Alkoholgehalt geringer war als heute. Dennoch lebten die Menschen, bei einem täglichen Konsum von ein bis drei Litern, wohl jahrhundertelang in einem konstanten Rausch. Einen „Rausch der Nüchternheit“ bejubelte Voltaire erst im 18. Jahrhundert, als der Kaffee eingeführt wurde. Bemerkenswerterweise wurde erst jetzt die Mathematik so richtig kompliziert.

Die Neuzeit hat den Biergenuss in einem gewissen Rahmen kultiviert. So erließ Wilhelm IV. 1516 das berühmte Reinheitsgebot, an das sich heute freilich kaum jemand hält, und im 19. Jahrhundert erfand Josef Groll das bekömmliche Pils.

Mit Vergnügen trinke ich Bier. (Friedrich Schiller)

Vom Bürgerkrieg

Seit dem frühen Mittelalter lässt sich beobachten, dass steigende Bierpreise zu Unruhen in der Bevölkerung führen können. Die sogenannte „Salvatorschlacht“ von 1888 soll beispielsweise aus Empörung über die Wucherpreise der Schankwirte ausgebrochen sein.

Nun haben die Bierbrauer am 8. November 2007 verkündet, dass der Bierpreis in Deutschland nicht haltbar sei; vielmehr innerhalb der nächsten fünf Jahre um bis zu 40% steigen werde…

Ob es zum Bürgerkrieg kommt, zu Palisadenkämpfen und Standrecht, weiß ich nicht; fest steht, dass eines der Lieblingsgetränke der Deutschen gerade harten Zeiten entgegensieht …    [...mehr]


Autor: Steffen

Eine Brauerausbildung braucht Ihr schon mal nicht, nur ein bisschen Geduld und Zeit.
Früher, als sich größere Höfe und kleinere Gemeinden selbst mit dem Lebensnotwendigen versorgen mussten, und das Bier noch nicht besonders haltbar war, war das brauen kleinerer Mengen für Feiern oder für den Hausgebrauch durchaus üblich. Durch sogenannte “Bierkits” hat sich das Hausbrauen heute in Deutschland wieder verbreitet und genießt sogar in Kennerkreisen einen Kultstatus.

Ein paar rechtliche Sachen: Die Freigrenze liegt bei 200 Liter, das bedeutet, dass jeder 200 Liter Bier pro Jahr steuerfrei herstellen darf. Schon mal gar nicht so schlecht! Diese 200 Liter sind aber nur zum Eigenbedarf gedacht bestimmt, sonst wären zudem auch die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen zu beachten.

Für den Einstieg sind die Bierkits sehr zu empfehlen, denn sie ersparen die Herstellung der Würze, die als Würzekonzentrat für die meisten gängigen Biersorten erhältlich ist. Ein Bierkit besteht aus einer Dose mit Hopfen-Malz-Extrakt, welcher eine Konsistenz ähnlich wie Honig hat. Aus 1,7 kg Extrakt kann man ca. 23 Liter Bier herstellen. In England, Australien oder Neuseeland sind diese Bierkits schon seit Jahren in jedem Supermarkt zu kaufen. Aber auch hier in Deutschland kann man sie Dank dem Internet bekommen.

Nun zum Eingemachten. Der Hopfen-Malz-Extrakt wird mit warmem Wasser angerührt. Je nach Rezeptur wird Zucker hinzugefügt und dann wird mit kaltem Wasser aufgefüllt. Zum Schluss kommt noch die Trockenhefe dazu und fertig! Na ja , nicht ganz…. Jetzt kommt die Geduldsprobe für den Heimbrauer. Nach 1,5 Wochen wird der Sud in Flaschen abgefüllt, um eine bessere Flaschengärung zu erreichen, kann vorher noch ein bisschen Zucker in die Flaschen gegeben werden. Nach 6-8 Wochen erneutem Warten und bangen ist das BIER trinkfertig.

Viel Spaß beim Ausprobieren!    [...mehr]


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