» Kölsch

Autor: Thomas

Es ist gar nicht wahr, daß die Deutschen ihr Bier nicht mehr mögen. Allein daheim schmeckt es nur weniger als in der Kneipe unter Leuten. Und die Kneipe können sich immer weniger leisten. Stattdessen wohnen immer mehr Leute allein. Und bleiben daheim.

Kölner Karneval

Soviel also zu den Schwankungen im deutschen Bierdurst.
Umso wichtiger werden da Volksfeste, Festivals, alles, was die Leute auf die Straße lockt und für gute Stimmung und Ausgelassenheit sorgt. Denn siehe da! Plötzlich fließt das Bier wieder in Strömen, ganze Gerstensaftseen werden trockengelegt.

Ist auch bitter notwendig. Während die Deutschen immer weniger Geld für Geselligkeit übrig haben, bleibt die Zahl der Brauereien gleich. Und die Menge an gebrautem Bier. Fazit: 40% Überproduktion. Oder so.

Da freut es die Bilanzen natürlich, wenn zur Fasnet, zum Karnival, zum Faschung und zur Fastnacht aufgerufen wird. Jecken, Narren und viel Kölsch. Letzteres natürlich in Köln. Wo sich die großen Vier, die Bierkönigsbrauereien der Stadt, um jeden Kunden prügeln.    [...mehr]


Autor: Thomas

Dem Kölner von heute bleibt aber auch kein Schicksalsschlag erspart. Das Onlineportal der Rundschau brachte nun den neuesten Teil des Dramas. Amerikaner plagiatisieren ihr helles Obergäriges. Dürfen die dat? Berechtigte Frage.

Kölsch, Kölner Bar

„Einfach unser Bier brauen?“, fragt die Rundschau. Dabei gibt’s nur hier lecker wat zu trinken. Nicht da drüben.
Überhaupt. Man fährt doch nicht nach Amerika um da Kölsch zu trinken! Das ist zwar, wie schon erkannt, lecker, aber dann reicht doch auch Balkonien.
Zudem ist das doch geschützt! Regionale Spezialität und so! Gibt’s doch auch mit anderen Bieren! Und Lachssorten! Und Champagner!

Blöd nur, daß dieses Copyright nur innerhalb der EU gilt. Den Ami schert das nicht.
„Colorado Kölsch – German-Style Ale“ wird da munter hergestellt.
Und? Schmeckt’s?
Darüber verliert der Artikel kein Wort. Lässt immerhin tief in die verletzte Seele Blicken.    [...mehr]


Autor: Ariane

Auf Wunsch eines einzelnen Herren möchte ich mich heute mal mit einer rheinischen Spezialität befassen, nämlich dem Kölsch. Soll ja niemand sagen, dass ich den Wünschen meiner Leser nicht nachkomme ;-)

FrühKölsch, der Klassiker unter den Kölsch-Brauhäusern ©superburschi/Flick

Als Europa sich noch im tiefsten, schwärzesten Mittelalter befand, leuchtete in einer Stadt am Rhein bereits die goldene Zukunft. Schon im Jahr 873 wusste man in Köln, wie Bier gebraut wird. Freilich, mit dem heutigen Kölsch hatte das, was man damals zusammenbraute, wenig zu tun. Das Gruitbier (Kräuterbier), welches seit dem 9. Jahrhundert in Köln gebraut wurde, hatte noch eine vollkommen andere Zusammensetzung. Hopfen war damals noch nicht bekannt, stattdessen benutzte man verschiedenste Kräuter, zum Beispiel Schafgarbe, Eichenrinde, diverse Wurzeln, Rosmarin, Kümmel, Anis, Ingwer, Wacholder und und und… Und bereits auf dieses erste Bier wurde eine Steuer erhoben, die Gruitsteuer. Die wussten eben schon damals, was gut ist und womit man verdienen kann ;-)
Im 13. Jahrhundert gab es dann schon das Kölner Brauamt und weitere 100 Jahre später die Brauer-Kooperation. Letztere ist bis heute für die Kölner Geschichte äußerst wichtig, unterzeichnete doch eben jene Brauer-Kooperation 1396 den “Verbundbrief” Gaffel-Kölsch im traditionellen Kölsch-Kranz serviert ©Gaffel und damit die erste demokratische Verfassung einer deutschen Stadt. Köln wurde, nicht zuletzt durch die Errichtung des mächtigen Doms, zunehmend zu einer klerikalen Stadt mit vielen Klöstern, Bischöfen und dergleichen und die Kirche hatte immer mehr Macht. Um ein Gegengewicht herzustellen, schlossen sich die mittelständischen Kaufleute Kölns gemeinsam mit den Handwerkern im 14. Jahrhundert zu politischen Vereinigungen zusammen, zu sogenannten “Gaffeln”. Der Kölsch-Kenner wird jetzt mit einem “Ahhhhhhhhhhhha!” reagieren.
Aber hier gehts ja um Bier, nicht um Politik ;-)…..

Im 15. Jahrhundert wurde dann endlich der Hopfen für das Bier entdeckt und die ersten Brauer-Streitigkeiten mischten Köln auf. Das neue Hopfenbier, Keutebier genannt, war viel länger haltbar als das Gruitbier, schmackhafter- und auf Hopfen entfielen auch keine Steuern. Das gefiel nun natürlich weder den alteingesessenen Brauern, die noch immer auf Gruitbier setzten, noch der Obrigkeit, die nun weniger Steuern einnehmen konnte. Also folgte bald auch auf Keutebier die Steuer.
Im 16. Jahrhundert, als überall in deutschen Landen zunehmend auch untergäriges Bier gebraut wurde (Vorteil: bei geringerer Temperatur herzustellen, Nachteil: verdirbt schneller), tanzte Köln mal wieder aus der Reihe, denn hier setzte sich diese Brauweise nicht durch.
Und das ist auch bis heute so geblieben. ;-)
Dennoch war der Weg zum heutigen Kölsch noch lang, etwa 300 Jahre, um genau zu sein.

Im 19. Jahrhundert wurde erstmals das “Wiess” gebräut, ein obergäriges, trübes (weil ungefiltertes) Bier und der offizielle Vorgänger vom Kölsch. Das erste echte “Kölsch” wurde laut Garde-Brauerei bereits 1892 in Dormagen gebraut. Doch hier scheiden sich die Geister und streiten die (Bier)Historiker.
Verbrieft ist hingegen, dass in der Sünner-Brauerei seit 1906 helles, obergäriges Bier gebraut wurde, welches ab 1918 erstmals unter dem Namen “Kölsch” in den Handel kam.

Der ewige Zank zwischen Düsseldorf und Köln um das ´wahre Bier`wird wohl so bald nicht beendet sein... Kölsch ist ein helles, obergäriges Bier mit etwa 11,3 Prozent Stammwürze und durchschnittlich 4,9 Prozent Alkoholanteil. Es ist nah verwandt mit dem ebenfalls obergärig gebrauten Altbier , welches allerdings im Gegensatz zum hellen Kölsch mit dunklerer Malze hergestellt wird und etwas herber schmeckt. Welches der beiden Biere besser schmeckt, ist seit nun fast 100 Jahren ein ewiges Streitthema zwischen Kölnern und Düsseldorfern. Mir persönlich liegt ja eher das Kölsch, da ich Altbier seltsamerweise mit Fußgeruch assoziere.
Aber es gibt auch genügend Vertreter (meist von linker Rheinseite), die der Meinung sind, Kölsch wird gaaaaanz anders gebraut….

Traditionell wird das Kölsch aus einem schmalen, dünnen Glas mit 0,2l Fassungsvermögen getrunken, welches auch als “Stange” bezeichnet wird. In manchen Gasthäusern kann man heute auch noch ein “Stößchen”, infamer Weise von einigen auch als “Weiberkölsch” bezeichnet, ordern. Das wird dann in einem 0,1l-Glas serviert. Ein Stößchen ist also eine halbe Stange, kostet allerdings nicht den halben Preis ;-)
Dass so wenig Inhalt in eine Stange passt, schmeckt heute leider vielen Wirten nicht mehr, sodass in weniger traditionsbewussten Lokalen heute auch 0,5l-Stangen anzutreffen sind. Skandalös, wenn ihr mich fragt, und unter Kennern verpönt.

Wie fast alle obergärigen Biere entwickelt auch das Kölsch seinen vollen Geschmack erst ab einer bestimmten temperatur, sodass es meist mit acht bis zehn Grad serviert wird.

Wer sein Bier “Kölsch” nennen darf, ist in Anlehnung an das strenge Reinheitsgebot ebenso streng geregelt, und zwar in den Kölsch-Konventionen von 1985.

Im Sinne der Konvention ist Kölsch

  • ein Vollbier,
  • obergärig,
  • hell,
  • blank, also gefiltert und klar,
  • schlank, also hochvergoren, trocken, wenig vollmundig oder malzig,
  • hopfenbetont,
  • filtriert (nicht-filtriertes Bier muss ausdrücklich als “hefetrüb”, “naturtrüb” oder “unfiltriert” ausgewiesen werden!),
  • ausschließlich in Köln herzustellen (ausgenommen sind Brauereien außerhalb des Stadtgebiets von Köln, die an der Bezeichnung „Kölsch“ bereits vor Inkrafttreten der Konvention einen wertvollen Besitzstand erworben hatten).

Drei große Marken teilen sich etwa 60 Prozent des Kölsch-Umsatzes, nämlich Gaffel, Früh und Reissdorf. Der Rest verteilt sich unter den mehr als 30 kleineren Kölsch-Brauereien, zu denen beispielsweise Küppers, Mühlen oder Sünner gehören.

1997 wurde das Kölsch von der EU in den Kreis geschützter regionaler Spezialitäten aufgenommen und genießt damit nun eine ebenso geschützt Herkunftsbezeichnung wie der Champagner oder auch der Cognac.

Der Kölner Kölsch-Kellner wird auch “Köbes” genannt und serviert das Kölsch häufig mit einem Kranz, einem runden Behältnis für bis zu 18 Stangen. Der gute Mann, der das lecker Bierchen frisch zapft, ist der “Zappes”.

Wer noch mehr über das Kölsch erfahren möchte, wird im Koeln-Net fündig.

Eine schöne Tradition ist es auch, dass man in guten Lokalen und Brauhäusern ungefragt ein weiteres Kölsch serviert bekommt, sobald die Stange geleert ist- es sei denn, man platziert einen Bierdeckel auf dem Glas. Und legendär ist es selbstverständlich, sich mal bei einem gemütlichen Abend in einem Düsseldorfer Brauhaus ein leckeres Kölsch zu bestellen.
Aber nicht den Verbandskasten vergessen, ne? ;)



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