» Biertheorie
Jetzt, wo in unseren Landen die Erkältungen und Virusinfektionen umher gehen, greift man schnell mal zur starken Medizin. Dabei hilft in vielen Fällen doch einfach schon ein schönes Bier.
Bier ist -wir wussten es schon längst- ein Wundermittel. Allerdings nur in der richtigen Dosierung, versteht sich.
Die gesundheitsfördernde Wirkung hört laut Medizinern bei maximal einem Liter täglich pro Mann auf. Für Frauen gilt die Hälfte (unfair unfair unfair!
).
Bier hilft unter anderem gegen Bluthochdruck, weil es gefäßerweiternd wirkt. Ein Gläschen am Abend,das belegen Studien, eugt dem Herzinfarkt vor. Damit hat Bier also eine ähnliche Wirkung wie Wein und verantwortlich dafür sind die Polyphenole, die sogenannten Antioxidantien. Diese sind in besonders hoher Zahl in den dunkleren Biersorten zu finden.
Vermischt mit anderen Zutaten hilft der Gerstensaft auch gegen allerlei Zipperlein des Alltags.
Ein Gewürzbier, erhitzt mit Anis, Kümmel und Koriander, regt beispielsweise Stoffwechsel und Verdauung an.
Wohltuend bei einer Erkältung ist eine Mischung aus Joghurt und Honig, dazu Bier und Zitrone.
Und süße Träume verspricht ein Schlaftrunk aus warmem Bier mit Honig.
Desweiteren regt Bier den Harnfluss an, durchspült Nieren und Blase und ist so auch bei der Behandlung gegen Harnsteine äußerst hilfreich.
Die im Bier enthaltenen Bitterstoffe wirken antibakteriell und bekämpfen Krankheitserreger.
Allein der im Bier enthaltene Hopfen ist schon Medizin für sich und hilft so zum Beispiel als Extrakt oder Tee gegen Magen- und Verdauungsbeschwerden, nervös bedingte Herzbeschwerden, gegen Stress und Unruhe und bei Einschlafstörungen. Nachteil: Hopfen hemmt den männlichen Sexualtrieb
(das erklärt dann auch, warum ausgerechnet die Mönche das erste Bier bei uns gebraut haben
).
Wers wenig umständlich mag, erwärmt sich am Abend einfach ein Bierchen (zum Beispiel im Wasserbad) und trinkt es kurz vor dem Zubettgehen.
Warum ausgerechnet warmes Bier? Die Wärme ist wichtig, denn sie fördert Heilprozesse und lässt das Bier erst so richtig wirken. Warm bedeutet allerdings nicht heiß, denn bei mehr als 40 Grad Celsius werden die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört! Also Vorsicht!
Das warme Bier wird in kleinen Schlucken getrunken.
Die Wärme verstärkt die schmerzlindernde Wirkung des Hopfens und macht angenehm müde, der Körper beginnt zu schwitzen und scheidet Schlacken und Giftstoffe besser aus. Zusätzlich noch ein paar Wadenwickel und der guten Besserung steht kaum noch was im Weg.
Aber bitte nicht übertreiben: Bei zuviel Alkohol streikt das Immunsystem und all die Mühe war umsonst
. Und das wollen wir ja wohl nicht, das gute Bier! [...mehr]
Was es beim Wein schon lange gibt, hat nun auch in der Bierbranche Einzug gehalten. Bierkellner können sich per Schulung zum diplomierten Biersommelier ausbilden lassen.
Der Sommelier (frz.: Mundschenk) ist ein alter und ehrwürdiger Beruf.
Einst Vorkoster an adligen Höfen, gewährleistet der Sommlier heute die fachmännische Beratung von Gästen und Gastwirten. Von Weinsommelieren hat beinahe jeder schon einmal gehört, sie gibt es schon lange. Der Beruf des Biersommeliers ist hingegen deutlich jünger: Ihn gibt es erst seit dem Ende der 90er Jahr.
Der Biersommelier achtet darauf, dass die Bierwahl zur Speise passt und dass die Regeln des Geschmacks gewahrt werden, zum Beispiel, dass kein helles Bier nach einem dunklen verköstigt wird, dass Kölsch nicht zu Schweinebraten passt oder dass man seinen Eiskaffee auch mal ohne Kaffee und dafür mit Bier genießen kann.
Neben der Beratung des Gastes und der Durchführung fachgerechter Verköstigungen ist der Biersommelier auch für die Hygiene an der Zapfanlage, die Überwachung der korrekten Ausschankmenge und der Temperatur, die Beratung des Wirts bei der Auswahl geeigneter Biergläser und natürlich den Biereinkauf verantwortlich.
Eine offizielle oder einheitliche Ausbildung für den jungen Beruf des Biersommeliers gibt es bis heute ebenso wenig wie eine einheitliche Zertifizierung. Vereinzelt bieten Brauereien Lehrgänge an, man kann jedoch auch an einem Seminar an der Doemens Akademie München oder bei der österreichischen Bierinteressensgemeinschaft teilnehmen. Wer neugierig geworden ist, findet auf der Homepage der Biersommeliere nähere Informationen.
Ich bin ja der Meinung, wenn man Bier nicht nur einfach trinken, sondern genießen will, muss man auch ein wenig über die Theorie wissen
Dementsprechend folgt nun eine kleine Theorie-Lektion zum Thema Stammwürze.
Die Stammwürze, auch Stammwürzgehalt genannt, ist eine Maßeinheit im Bereich des Bierbrauens. Sie bezeichnet den Anteil der Stoffe, die sich vor der Gärung aus dem Hopfen und dem Malz im Wasser gelöst haben. Stammwürze besteht hauptsächlich aus Malzzucker, Eiweiß, Vitaminen und Aromastoffen.
Die Würze hat für die Bierherstellung die gleiche Bedeutung wie Traubensaft für die Herstellung von Wein: aus Traubensaft wird Wein, aus Bierwürze wird durch Gärung (unter Zugabe von Hefe) Bier. Der Stammwürzgehalt ist deswegen der Haupteinflußfaktor für den späteren Alkoholgehalt und den Nähwert des Bieres. Nachdem die Hefe während des Brauprozesses hinzugegeben wird, vergärt die Stammwürze zu etwa einem Drittel zu Alkohol, zu einem weiteren Drittel zu Kohlensäure und das letzte Drittel ist ein unvergärbarer Restextrakt.
Hat ein Bier nun zum Beispiel 11 Prozent Stammwürzgehalt, so heisst das: 1100 Gramm, also rund ein Liter, Bierwürze enthielt vor dem Gärprozess etwa 110 Gramm Stammwürze (also Malzzucker, Vitamine, Eiweiß, Aroma und Mineralien).
Ihr seht, dieser Prozentsatz hat absolut nichts mit dem Alkoholanteil zu tun, auch wenn er diesen bedingt.
Die genaueste Analysemethode, um die Stammwürze von Bier im Nachhinein zu bestimmen, ist die Destillationsanalyse. Durch sie kann mit Hilfe der Ballingformel die Stammwürze errechnet und somit die Biersteuer bestimmt werden.

Wichtig ist der Stammwürzgehalt also auch für die Besteuerung des Bieres (ich weiss, ich weiss, darauf könnten wir alle ganz gut verzichten
).
Hierbei werden verschiedene Gattungen von Bieren unterschieden:
- Einfachbiere mit einer Stammwürze von unter 7 Prozent
- Schankbiere mit einer Stammwürze ab 7 Prozent bis unter 11 Prozent
- Vollbiere mit einer Stammwürze ab 11 Prozent bis unter 16 Prozent
- Starkbiere ab einer Stammwürze von 16 Prozent oder mehr
Je höher die Stammwürze, desto höher logischerweise der Alkoholanteil (ihr erinnert euch, ein Drittel der Stammwürze wird zu Alkohol vergoren) und je höher der Alkoholanteil, desto höher die Steuer.
Ein leckeres Pilsener hat zum Beispiel zwischen elf und 12,3 Prozent Stammwürzgehalt, eine Berliner Weisse etwa sieben bis acht Prozent, ein Kölsch um die 11,3 Prozent und Doppelbock gehört mit mächtigen 18 Prozent zu den Starkbieren.
So, genug der trockenen Theorie. Her mit der Praxis!






