Bier auf Wein, das lass sein!?

Bier auf Wein, das lass sein! Wein auf Bier, das rat‘ ich dir! – So schallt es in den Biergärten und Kneipen oft aus den schon angefeuchteten Kehlen. Doch ist an dieser Volksweisheit eigentlich etwas dran?

Dass Bier und Wein zusammen oder für sich genommen einen ganz schönen Kater verursachen können, haben viele Deutsche bereits mehr als einmal am eigenen Leib erfahren. Der Volksmund behauptet aber, es würde umso schlimmer, wenn man erst den Trauben- und dann den Gerstensaft zu sich nehmen würde. Anders herum ist es dann in Ordnung. Oder wie? Wo kommt dieser Spruch eigentlich her? Und wie bierernst ist er zu nehmen?

Bier auf Wein, das lass sein!?

Der Ursprung dieser Volksweisheit liegt wahrscheinlich in dem schlichten Fakt, dass noch vor nicht allzu langer Zeit Wein ein Getränk der reichen Leute war und Bier im Umkehrschluss ein Armen-Gesöff. Wer sich also die Kehle mit einem köstlichen Tropfen Wein anfeuchtete, sollte diesen Geschmack nicht durch das Hinterherschütten von Bier verderben. „Bier auf Wein, das lass sein!“ war in diesem Zusammenhang also schlicht der gute Ratschlag, den teuren Genuss nicht vorzeitig und unnötig zu ruinieren.

„Wein auf Bier, das rat‘ ich dir!“ – Dieser Zusatz wurde wahrscheinlich später dazu gedacht. Weil es sich doch so schön reimt. Einen wirklichen Nutzen im Kampf gegen den Kater hat die Volksweisheit jedenfalls nicht. Der Genuss von Bier im Anschluss an Wein kann in ausreichendem Maße zu sich genommen in der Tat einen üblen Kater heraufbeschwören. Aber andersherum – mit der Reihenfolge Bier, dann Wein – ist der Trinker vor dem Grauen am Morgen danach auch nicht gefeit. Denn nicht die Reihenfolge macht’s, sondern die schlichte Menge.

Allerdings raten Experten von wildem Durcheinander in der Getränkewahl doch ab, zumindest wenn man sich eine bunte Mischung aus Gerstensäften, Likören, Schnäpsen und Weinen vornehmen wollte. Im Endeffekt kommt es aber weniger darauf an, in welcher wohl durchdachten Reihenfolge der Alkohol in den Kehlen landet, wenn die Menge letztlich doch Überhand nimmt. Genügsamkeit ist das wortwörtliche Maß der Dinge.

Ob Bier auf Wein oder Wein auf Bier – der Kater kommt auf jeden Fall, wenn man es mit dem Trinken übertreibt. So einfach lässt sich Mutter Natur eben doch nicht austricksen. Der Häufigkeit, mit der unsere gute alte Volksweisheit über die Theken geschmettert wird, dürfte dieser Umstand aber wenig anhaben. Wenn der Spruch schon nicht wahr ist, so ist er doch immer noch einfach zu merken – und damit wie das simpelste aller Trinklieder auch zu fortgeschrittener Stunde und nach etlichen Gläsern Alkohol noch bestens zum Rezitieren geeignet. Und wie gesagt: es reimt sich so schön.